• #81 Double-Check | Warum vertrauen wir uns selbst nicht?
    2026/05/11

    Bevor ich das Haus verlasse, überprüfe ich mehrfach, ob ich den Schlüssel eingepackt habe. Wenn ich Entscheidungen treffe, dann stelle ich sie spätestens am nächsten Tag in Frage. Und manchmal entscheide ich gar nicht erst selbst, sondern frage direkt eine andere Person, was ich machen soll.

    Warum? Weil ich mir selbst nicht vertraue. Und so geht es vielen Menschen mit ADHS.

    In dieser Folge tauschen wir uns über unsere Erfahrungen mit diesem Thema aus und schauen uns an, warum es uns so geht und wie wir damit umgehen können.

    Ein kurzer Hinweis: Wir sind keine Therapeutinnen oder Ärztinnen. In dieser Folge berichten wir aus unserer persönlichen Erfahrung, aus Beobachtung und aus dem, was uns geholfen hat, nicht aus einer professionellen oder klinischen Perspektive.

    3 Punkte aus der Folge:

    1. Im Alltag gibt es so viele Situationen, in denen wir merken, dass wir uns nicht vertrauen. Das äußert sich darin, dass wir mehrfach überprüfen, ob wir das Handy dabei haben, kleinste Handlungen bis ins Detail im Kopf durchgehen und alle Eventualitäten mitdenken oder unsere Partner fragen, was es zum Essen geben soll. Verschiedene Symptome, aber allen liegt das gleiche Problem zugrunde. Wir haben gelernt, dass wir Fehler machen, die Konsequenzen haben, wenn wir nicht alles wieder und wieder hinterfragen.
    2. Es ist nicht leicht, sich selbst zu vertrauen, wenn wir über viele Jahre gelernt haben, dass wir ständig Dinge vergessen oder die falschen Entscheidungen treffen und dann mit den Konsequenzen leben mussten. Das Stichwort heißt: korrigierende Erfahrungen. Wir müssen lernen, dass es nicht schlimm ist, wenn wir mal etwas vergessen, oder die falschen Entscheidungen treffen. Und zwar immer, und immer wieder. Das dauert seine Zeit.
    3. Menschen, die nicht an ihrem Selbstvertrauen zweifeln, gehen viele Dinge ganz anders an. Der innere Dialog ist anders. Statt „wenn das schief geht wird etwas schlimmes passieren“ denken sie: „Ich komme damit klar, egal was passiert“. Fehler bedrohen nicht automatisch das Selbstbild, sondern sind Möglichkeiten zu lernen und zu wachsen. Die Frage ist also vor allem, wie wir mit uns selbst sprechen und wie wir Dinge bewerten.


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    47 分
  • #80 Stolz | Warum empfinden wir Stolz und wie gehen wir damit um?
    2026/05/04

    Stolz hat viele verschiedene Facetten. Manche Menschenempfinden Stolz, wenn sie eine Herausforderung gemeistert haben oder Teil von einer Gruppe sind, mit der sie sich identifizieren. Andere sind stolz auf Besitztümer, die sie sich erarbeitet haben. Man kann stolz darauf sein, wer manist und wie man sich entwickelt hat oder sogar auf die Erfolge einer Person, die einem nahesteht.

    Doch was genau ist „Stolz“?

    Und welchen Zweck erfüllt er für das Individuum?

    In dieser Folge sprechen wir über unsere eigenen Erfahrungen mit Stolz, wo wir ihn empfinden und wo wir Schwierigkeiten damit haben, welchen Zweck er erfüllt und wo er schädlich sein kann.

    Ein Hinweis: Leider war mein Mikrofon bei dieser Folge nichtganz richtig eingestellt und übersteuert, wenn ich zu angeregt diskutiere. Natürlich bin ich nicht stolz darauf, aber das ist kein Grund, euch die Folge vorzuenthalten, nicht wahr?


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    53 分
  • #79 Hässliche Gefühle | Wie geht man mit Missgunst, Verbitterung, Arroganz etc. um?
    2026/04/27

    Ich bin neidisch. Diesen Satz habe ich in letzter Zeit öfter gehört, vorgebracht wie eine Enthüllung. Ich traue mich das jetzt zuzugeben. Aber Neid ist ja auch ein wichtiges Gefühl. Es zeigt uns, was wir wollen. Und ich bin ja auch nur neidisch, nicht missgünstig.

    Da ist es: Missgunst, ein Gefühl, für dass wir uns schämen sollten. In einer Reihe mir Verbitterung. Verachtung. Häme. Es gibt Gefühle, die sind so hässlich, dass wir sie besser verstecken. Gefühle, die als Makel gelten, als würde man mit ihnen zugeben, eine dunkle Seite zu haben.

    In dieser Folge sprechen wir über diese hässlichen Gefühle. Warum haben wir sie? Was wollen sie uns sagen? Und wie gehen wir mit ihnen, ohne sie wegzudrücken, aber auch ohne uns oder anderen damit zu schaden?

    Eine kurze Anmerkung: Wir sind keine Therapeutinnen oder ausgebildete Psychologinnen. Wir schildern hier nur unsere Sicht auf das Thema, wie es uns damit geht und was wir uns angelesen haben.

    Drei Gedanken aus der Folge:

    1. Hässliche Gefühle wie Missgunst, Groll oder Verachtung sind starke Gefühle, die sich oft über eine längere Zeit entwickeln. Sie zeigen uns sehr klar, dass etwas nicht stimmt, weisen auf ein unerfülltes Bedürfnis hin, eine Bedrohung, ein Gefühl von Ungerechtigkeit oder ein bröckelndes Selbstbild. Sie haben eine Schutzfunktion, auch wenn sie sich nicht schön anfühlen.
    2. Wir sprechen selten über diese Gefühle und wenn, dann neigen wir dazu, eine harmlosere, akzeptiertere Variante zu nutzen, wie Neid, Schadenfreude oder sauer auf jemanden sein. Hässliche Gefühle passen nicht zu dem Bild, das wir von uns zeigen wollen. Und es ist auch nicht immer hilfreich, jederzeit über diese Gefühle zu sprechen, weil sie insbesondere zwischenmenschlich bei Konfrontation große Problemfelder aufmachen können. Sie einfach zu ignorieren hilft aber in der Regel auch nicht.
    3. Es geht nicht darum, hässliche Gefühle einfach nur auszuhalten oder ihnen blind nachzugeben, sondern darum, sie zu verstehen. Welches Bedürfnis steckt dahinter? Braucht es eine Grenze, ein Gespräch, eine innere Klärung oder einfach Akzeptanz? Nicht jedes Gefühl verlangt Handlung. Aber jedes Gefühl verdient Aufmerksamkeit.

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    40 分
  • #78 Abbrechen | Wie entscheidet man, wann es an der Zeit ist, etwas loszulassen?
    2026/04/20

    Ende gut, alles gut?

    So einfach ist es leider nicht. VieleDinge, die man anfängt, verlieren im Laufe des Weges an Glanz oder Sinnhaftigkeit – das Schreibprojekt läuft ins Leere und wird uninteressant, der Urlaub wird zur gesundheitlichen Belastung, das Hobby erfüllt einen nicht mehr.Viele Menschen mit Neuridivergenz haben schon früh gehört, sie sollen doch „mal etwas zuende bringen“ und „nicht immer gleich das Handtuch schmeißen.“ Das führt zu Unsicherheit – wann ist es in Ordnung, etwas abzubrechen? Und wann gibtman einfach zu früh auf?

    Wir sprechen in dieser Folge über unsere eigenenErfahrungen.

    Haben wir schon einmal Projekte abgebrochen? Welche (guten und schlechten) Gründe gibt es, ein Projekt/Vorhaben/usw. abzubrechen? Wie entscheidet man, ob man etwas abbricht oder ob es sich lohnt, doch dran zubleiben? Wann ist etwas wirklich "abgebrochen"?


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    40 分
  • #77 Erwartungen | Wie geht man damit um, wenn alles anders kommt, als geplant?
    2026/04/13

    Da malt man sich in schönstem Detail aus, wie eine perfekte Zukunft aussehen könnte.

    Die nächste Reise bei strahlendem Sonnenschein ans Meer. Das Schreiben des nächsten Romans, bei dem die Geschichte einfach nur so aus einem herausfließt. Oder den perfekten Job, für den man sich gerade bewirbt. Und dann kommt alles anders als geplant.

    Wir sprechen in dieser Folge über das Thema Erwartungen. Warum haben wir sie? Was ist gut und schlecht daran? Wie geht man damit um, wenn die Erwartungen enttäuscht werden und sollten wir uns angewöhnen realistischere Erwartungen zu haben?

    3 Punkte aus der Folge:

    1. Erwartungen kommen in vielen verschiedenen Formen: Sie können Wünsche sein, Pläne, Anspruch oder Visionen. Wir können Erwartungen an andere Menschen haben, an Situationen oder auch an uns selbst. Insbesondere wenn wir Erwartungen an andere Menschen haben, ist Kommunikation wichtig. Denn wenn eine andere Person nicht weiß, was wir uns von ihr wünschen, wie soll sie diesen Wünschen dann nachkommen?
    2. Erwartungen zu haben hat eine Reihe von Vorteilen: Sie geben uns Orientierung, Sinn, Motivation und Sicherheit. Auf der anderen Seite können Erwartungen aber auch dazu führen, dass wir in der Planungsphase steckenbleiben, starr und unflexibel sind, oder auf eine Situation viel zu viel Druck laden. Wichtig ist, wie so oft, eine gute Balance.
    3. Um nicht enttäuscht zu sein, wenn etwas anders kommt, als wir erwartet haben (was häufiger der Fall sein wird, als uns lieb ist), hilft es, Erwartungen eher als Hypothesen zu betrachten, als als Prognosen. Weil Erwartungen auch viel mit der eigenen Identität zu tun haben, hilft es, das nicht-Eintreten einer solchen Hypothese nicht als persönliches Scheitern zu betrachten, sondern als Erfahrung.


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    35 分
  • #76 Buchmesse mit ADHS | Warum tut man sich das an? (mit Hanna Bergmann)
    2026/04/06

    Jedes Jahr findet wieder die Leipziger Buchmesse statt. Dieses Jahr waren wir auch wieder dabei, um Bücher zu kaufen, zu quatschen und vor allem um uns selbst zu motivieren, weiter an unseren Projekten zu arbeiten.

    Zu dritt haben wir für die Dauer der Messe eine kleine Autorinnen-WG gegründet. Und zum Abschluss der Messe unterhalten wir uns mit unserer Messe-Mitbewohnerin und Autorin Hanna Bergmann noch einmal über unsere Messe-Erfahrung, das was uns gefallen hat, und warum die Messe trotzdem schwierig ist.

    Die Buchmesse ist für mich immer wieder eine ambivalente Erfahrung. Wir haben in dieser Folge über viele Themen gesprochen, die uns auch auf der Messe beschäftigt haben. Drei Punkte fasse ich nochmal für euch zusammen:

    1. Die Buchmesse verbindet uns mit unserem Autorinnensein. Nicht nur, weil wir die vielen Bücher sehen und hoffen, dass unsere Bücher auch irgendwann mal hier vertreten sein werden, sondern vor allem, weil wir beobachten, Gespräche führen, Diskussionsrunden lauschen. Und weil Themen aufkommen, über die wir uns dann stundenlang unterhalten können.
    2. Die Messe gibt uns Orientierung, wer wir in der Buchbubble sein wollen. Wir treffen Vorbilder und sehen, was uns nicht gefällt. Wir sammeln Anekdoten und profitieren so von den Erfahrungen anderer in der Buchwelt.
    3. Es kann wahnsinnig anstrengend sein, an der Buchmesse teilzunehmen, insbesondere, wenn man versucht, alles mitzunehmen. Spoiler: Man verpasst immer mehr, als man erlebt. Statt möglichst viel erleben zu wollen, heißt es priorisieren, um die Messe zur besten Erfahrung zu machen.


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    41 分
  • #75 Räume | Wie wirken Feng Shui und co. bei ADHS?
    2026/03/30

    Die Räume, in denen wir uns bewegen, beeinflussen auch unser Innenleben. Dabei spielen sowohl praktische als auch psychologische Aspekte eine Rolle. Fragen wie: Ist es ordentlich? Sind die Dinge so angeordnet, dass sie mich an Alltagsaufgaben oder gewünschte Gewohnheiten erinnern und bei der Durchführung unterstützen? Oder behindern sie mich eher? Fühle ich mich wohl oder unwohl? Fällt es mir leicht, innerlich ruhig zu sein, wenn ich nach Hause komme? Welchen Platz wähle ich in einem Restaurant? Welches Restaurant wähle ich? Wähle ich überhaupt Restaurants?

    In dieser Folge erforschen Anne und ich die Räume, die uns umgeben. Was sorgt dafür, dass wir uns gerne dort aufhalten, was stößt uns ab? Welche Materialien und Dinge tragen dazu bei, dass wir uns wohlfühlen? Und was sind vielleicht die psychologischen oder praktischen Gründe hinter diesen Aspekten?

    Und jetzt: Willkommen im Raum der Räume. Kommt rein, nehmt euch einen Keks und macht es euch bequem.


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  • #74 Selfpublishing | Haben wir Angst davor, unsere Texte selbst zu veröffentlichen?
    2026/03/23

    Selfpublishing ist inzwischen eine echte Alternative zum traditionellen Weg über Agentur und Verlag. Viele junge Selfpublisher:innen entscheiden sich bewusst für diesen Weg, weil er mit Kontrolle und Flexibilität verbunden ist.

    Ich zögere. Ich bewundere die erfolgreichen Selfpublisher:innen, die mit Mut und Fokus am Werk sind, aber ich habe Schwierigkeiten mich selbst in dieser Rolle zu sehen. Habe ich relevante, nachvollziehbare Bedenken oder einfach nur Angst?

    In dieser Folge sprechen wir darüber, warum Selfpublishing sich gleichzeitig revolutionär und bedrohlich anfühlen kann, was es in uns triggert, andere dabei zu beobachten, und welche Ängste uns davon abhalten, unsere Texte selbst zu veröffentlichen.

    Drei Gedanken aus der Folge:

    1. Selfpublishing bedeutet Selbstwirksamkeit. Das klingt erstmal toll, kann aber auch Angst machen. Wenn die Gatekeeper wegfallen, dann gibt es keine äußere Legitimation mehr. Das kann befreiend sein, aber auch verunsichern: Alles liegt beim Autoren, Inhalt, Qualität, Sichtbarkeit, Erfolg. Selfpublishing fordert nicht nur Kreativität, sondern auch Verantwortung. Und manche von uns fühlen sich einfach sicherer, wenn jemand in der eigenen Ecke steht und mit einem kämpft.
    2. Wenn wir andere mutig veröffentlichen sehen und dabei Neid ider Sehnsucht empfinden, dann spiegelt das häufig eine Version von uns selbst, die wir uns wünschen. Das Spannungsfeld zwischen Sicherheit und Freiheit kann schmerzhaft sein und ist gleichzeitig ein Hinweis darauf, was uns eigentlich wichtig ist.
    3. Sich für oder gegen Selfpublishing zu entscheiden, sollte eine Entscheidung sein, die wir aufgrund von guten Gründen und sinnvollen Überlegungen treffen, nicht, weil wir Angst haben. Experimente, kleine Veröffentlichungen, Routinen, können uns helfen diese Angst zu reduzieren und dann zu schauen, welcher Veröffentlichungsweg der richtige für uns ist. Und nichts ist endgültig. Selfpublishing darf ein Versuch sein, genauso wie traditionelles Veröffentlichen.


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